Karl Bär, Bündnis 90/Die Grünen
Statement
Die Erde, die ich zum 25. Jubiläum nach Berlin mitgebracht habe, stammt von der Kälbergewöhnungsweide des Bio-Landwirts Josef Maier aus meinem Nachbardorf. Junge Kälber machen hier ihre ersten Erfahrungen mit Weide, Zaun und Wetter auf einer kleinen Obstwiese direkt am Hof, bevor sie auf die richtige Weide in einer größeren Gruppe kommen. Auf der Weide stand, als wir die Erde in den Sack geschaufelt haben, ein „Hochzeitsbaum“. Dabei handelt es sich um eine Tradition aus der bäuerlichen Kultur unserer Region. Der kahle, astlose Stamm wird zur Hochzeit eines Bauernsohns von einem Verein aus dem Dorf aufgestellt. Ist ein Jahr nach der Hochzeit schon Nachwuchs unterwegs, behält die junge Familie den Stamm als Brennholz. Ist kein Nachwuchs da, bekommt der Verein den Stamm und verkauft das Holz meistbietend für die Vereinskasse. Es war eher Zufall, dass wir die Erde direkt unter dem Hochzeitsbaum genommen hatten. Als ich Sepp gefragt habe, ob ich bei ihm etwas Erde für das Kunstwerk holen darf, wusste ich davon noch nichts. Aber ich sah darin sofort einen spannenden Beitrag zum 25. Jubiläum des Kunstwerks. Obwohl es eine so vereinende Symbolik hat, war DER BEVÖLKERUNG am Anfang ja sehr umstritten und kontrovers. Ich fand es wiederum vereinend, dazu 25 Jahre später Erde von einem maximal traditionellen Ort hinzuzufügen.

