Ute Vogt, SPD
Statement
Im Herbst 2000 habe ich Erde aus Pforzheim nach Berlin gebracht. 20 Jahre später, im März 2020, wurde der lange Streit, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist, mit dem Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes endlich beendet. Das erinnert mich an die hoch strittige und emotionale Debatte, an deren Ende wir im Bundestag mit nur zwei Stimmen Mehrheit entschieden haben, der Inschrift ‚DEM DEUTSCHEN VOLKE‘ das Kunstwerk DER BEVÖLKERUNG hinzuzufügen. Wir haben damals deutlich gemacht, dass unsere Verantwortung allen Menschen gilt, die in Deutschland miteinander leben. Vor 20 Jahren habe ich die Obst- und Gartenbauvereine angeschrieben und die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, mir Erde zu bringen. Somit konnte sich mein ganzer Wahlkreis am Kunstwerk beteiligen. Dies wurde begeistert aufgenommen. Falls im Buchstaben ‚Ö‘ also eines Tages ein Apfelbäumchen wachsen sollte, dann zeigt dies, dass der Weg von der Hoffnung über die Erkenntnis bis hin zur politischen Einsicht durchaus ein langer und steiniger sein kann. So wie von der ersten Forderung eines Einwanderungsgesetzes im SPD-Wahlprogramm zur Bundestagswahl 1994 bis hin zur größten Reform des Einwanderungsrechts im Jahr 2020. Hans Haacke hat mit seinem Kunstwerk zusammengebracht, was zusammengehört. Dass die Anerkennung der gelebten Realität in unserem Land mit dem 20-jährigen Jubiläum des Kunstwerks zusammenfällt, ist ein netter Zufall der Geschichte. (Beitrag Ausstellung n.b.k. 2020)

